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Chronik

Liebe Besucherinnen und Besucher,

wir informieren Sie auf diesen Internetseiten auszugsweise über unsere Vereinsgeschichte.

Seit 1989 arbeitet unser Chronist und Archivar Helmut Kruckau an einer Chronik über den Nagolder Hundeverein.

Helmut Kruckau ist seit dem 1. Januar 1983 Vereinsmitglied und war von 1984 bis 2004 Schriftführer und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit.

Die von ihm erarbeitete Chronik  soll zum 100-jährigen Jubiläum 2012 unter dem Titel „Von der Teufelshirnschale zum Heiligkreuz“ als Heimatbuch veröffentlicht werden.

Sollten Sie Informationen in Wort, Text oder Bild über unseren Verein besitzen, dann würden wir uns sehr freuen, wenn Sie uns diese zur Verfügung stellen würden.

Michael Kiechle,  1. Vorsitzender

912 bis 1919

Aus der Chronik der Nagolder Hundefreunde

Wir alle sind nicht wir, sondern hängen mit unserem Sein und Tun von denen ab,
die vor uns waren.

Isolde Kurz

1912-1914

Im 19. Jahrhundert setzt überall in Deutschland die Blütezeit für das Hundewesen ein.

Die erste Hundeausstellung in Stuttgart findet vom 25. bis 28.9.1887 statt. Mit dieser Hundeausstellung beginnt die Zeit des blühenden Aufstiegs für die Hundezucht in Württemberg, der ihr den Ehrentittel: „Wiege der Deutschen Hundezucht“ eingebracht hat.

In Zucht geeint – Im Sport vereint: Am 13.12.1912 führt im Gasthaus „Schwarzer Adler“ in Nagold die Begeisterung für den Hundesport zur Gründung des „Verein der Hundefreunde Nagold und Umgebung“.

Mitglied wird der Verein im Süddeutschen Verband Kynologischer Vereine mit Sitz in Stuttgart-Zuffenhausen. Dieser Verband gehört der Delegierten Commission D.C. an.

Mit der ersten Versammlung am 12.01.1913 konstituiert sich der neue Verein. Um den Hundesport in Stadt und Bezirk zu fördern, veranstaltet der Verband am 24.8.1913 in Nagold eine überregionale Hundeausstellung mit Rattenfängerprüfung.

Unmittelbar vor dem I. Weltkrieg wird am 26. Juli 1914 in Altensteig eine weitere Hundeausstellung mit Rattenfängerprüfung durchgeführt. Erstmals öffentlich, zeigen zwei “Polizeihunde” des Vereins ihre Leistungen auf der Fährte, im Gehorsam und im Schutzdienst.

Eigens für die Ausstellung hat die Königliche Eisenbahndirektion in Stuttgart die Führung eines Sonderzuges auf der Linie Nagold-Altensteig genehmigt.

1914 -1918

1. Weltkrieg: Im Herbst 1914 steht Europa in Flammen und der junge Nagolder Hundeverein wird im ersten Kriegsjahr zur Sicherung der Bahnhöfe und entlang der Bahnlinien eingesetzt.

Im “Schwarzen Adler” findet am 26.12.1914 eine letzte Versammlung statt. Dabei wird der Ankauf und die Weiterleitung von Hunden an die Front geregelt, sowie das Vereinsvermögen in Form einer namhaften Spende (Liebesgabe) an das Deutsche Rote Kreuz übergeben. Die Vereinstätigkeit des jungen Nagolder Hundevereins wird eingefroren. Die Deutschen Gebrauchshunderassen tun nun Dienst an der Front als Sanitäts- und Meldehunde. Ab November 1918 läuft der Rücktransport der „Kriegshunde“.

1919

Nach den dramatischen Umwälzungen nehmen im Februar 1919 die Mitglieder die Vereinsarbeit wieder auf. Im Riedbrunnen findet im März 1920 der erste Dressurkurs und im Juni eine Hundeausstellung im Garten des “Schwarzen Adler” statt.

Die Hauptversammlung am 10. Juli 1921 in der “TRAUBE” in Schietingen beschließt, dass der Verein Mitglied im Württembergischen Bund der kynologischen Vereine werden soll.

Mit der Grundbuchänderung vom 12. Februar 1922 wechselt das Gasthaus „Schwarzer Adler“ seinen Besitzer und Zweck. Damit stirbt eine 51 jährige Nagolder Gasthausgeschichte und wenige Monate später auch der erste Nagolder Hundeverein.

1922

Teufelshirnschale: Am 28.März 1922 beginnt der erste Dressurkurs auf dem neuen Dressurplatz „Teufelshirnschale“. Dabei handelt es sich um ein vom Sägewerk Gebrüder Theurer kostenlos zur Verfügung gestelltes Grundstück.

In Altensteig veranstaltet der Verein ab den 31. Mai 1922 ebenfalls einen solchen Kurs.

Im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung wird der Verein am 14.10.1922 im Gasthaus „Engel“ in Nagold in “Polizei-und Schutzhunde-Dressurverein Nagold” umbenannt. Mitglied wird er im Württembergischen Dressurverband.

1923

Inflation: In der Gemeinderatssitzung am 14.März 1923 wird nach eingehender Erörterung die Hundeabgabe mit Stimmenmehrheit ab den 1. April 1923 auf 4000 Mark für den ersten Hund und 8000 Mark für jeden weiteren Hund desselben Haushaltes erhöht. Für die anerkannten Züchter rassereiner Hunde ist der Abgabebetrag 1/10 niedriger. Von der Hundeabgabe sind Steuerpflichtige ausgenommen, die ihren Hund ohne späteren Ersatz nachweislich vor dem 15.April veräußern oder beseitigen.

Ferner wird dem Polizei- und Schutzhundedressurverein Nagold auf seine Bitte eine Hütte zur Unterbringung seiner Geräte auf dem Dressurplatz Teufelshirnschale überlassen. Bis zum Herbst ist diese Hütte der Stadt zu ihrem Gebrauch zurückzugeben. Die Mitgliedsbeiträge im I. Quartal 1923 betragen schon 300 Mark und im II. Quartal 1923 bereits 500 000 Mark. Im Dezember 1924 erreicht die Inflation ihren Höhepunkt. Das Deutsche Währungssystem ist nicht mehr funktionsfähig.

1929

Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 verändert die wirtschaftliche Situation und die Arbeitssituation auch in Württemberg, allerdings nicht ganz so katastrophal wie in anderen Ländern: 1932 sind in Württemberg 4,3 % der Erwerbstätigen arbeitslos gemeldet. Der Prozentsatz der Arbeitslosen im Deutschen Reich ist doppelt so groß.

Am 7.7.1930 führt der Verein seine erste Schutzhundeprüfung auf dem neuen Dressurplatz „Teufelshirnschale“ durch, der am 25. Juni 1933 eine weitere folgte. Unter den Teilnehmern sind auch Hundeführer aus Pforzheim und Mühlacker zu finden, mit denen die Nagolder Hundefreunde eine Arbeitsgemeinschaft bildeten.

1931

Saalschlacht: In der Nacht vom 31.01. auf 01.02.1931 kommt es im großen Festsaal des Nagolder Gasthauses „Traube“ zu einer großen Saalschlacht zwischen rund 200 NAZIS und Kommunisten.

Unter den Kommunisten und Sozialisten, auch Mitglieder des Nagolder Hundevereins. Es gab auf beiden Seiten Dutzende von Verletzten. Ein NAZI musste mit zwei Bauchschüssen und einem Schenkelschuss in die Klink nach Tübingen.

Auch die „Justiz“ in Tübingen beschäftigte sich mit der Saalschlacht. Wie nicht anderes zu erwarten, wurden 13 Kommunisten  zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt.  Das höchste Urteil auf Seiten der „angeklagten“ NAZI war ein Monat und 14 Tage Gefängnis für einen Angeklagten.

1933-1939

Gleichschaltung: Die  Gleichschaltung  aller Verbände und Vereine durch die NSDAP geht auch am Hundesport nicht vorbei.  Aus Baden und Württemberg wird der Gäu-Südwest und der Hundesport in Fachschaft Schutz-und Dienstgebrauchshundewesen Gäu-Südwest zusammen gefasst.

Im November 1933 wird im Gasthaus „Linde“ der Verein neu gestaltet und gegliedert. Bei der Hauptversammlung am 28. Januar 1934 tritt der neue Vereinsname „Fachschaft für Polizei-und Schutzhunde Nagold“ erstmals in Erscheinung.

Die Hauptversammlung heißt nun Haupt- oder Mitgliederappell, der 1. Vorsitzende  muss Mitglied der NSDAP sein und  die Versammlungen beginnen und schließen mit „Heil Hitler“.

1939 – 1945

2. Weltkrieg: Ab Oktober 1939 werden alle Rasse-und Mischlingshunde mit 50 – 70 cm Schulterhöhe zwangsrekrutiert. Kriegskamerad Hund versieht wie schon im 1. Weltkrieg seinen Dienst an der Front als Sanitäts- Schutz- und Meldehund.

Wurden nach Ende des 1. Weltkriegs die “Kriegshunde” in die Heimat  zurückgeführt, so werden 1945, kurz vor der Kapitulation, die letzten Hundestaffeln durch unsinnige Befehle vernichtet.

1945 -1949

Totaler Zusammenbruch: Nach dem totalen Zusammenbruch 1945 und die Unterteilung des Deutschen Reiches in Besatzungszonen war es jahrelang nicht möglich, ein geordnetes Vereinsleben wiederaufzunehmen.

Für Württemberg machte sich zu dem die verwaltungsmäßige Aufteilung in zwei Besatzungszonen spürbar bemerkbar. Die Franzosen verwalteten Südwürttemberg-Hohenzollern und Baden, die Amerikaner Nord Württemberg.

1949-1950

Neuanfang: Als sich auch in den französischen Besatzungszonen die Hundeverbände- und vereine  formieren, versammeln sich erstmals am 9. Juli 1949  „alte“ und neue Nagolder Hundefreunde im Gasthaus „Rose“. Sie beschließen den Nagolder Hundeverein wieder zu gründen.

Am 25. September 1949 konstituiert sich im Gasthaus „Löwen“ der Nagolder Hundeverein mit Namen: “Verein der Hundefreunde Nagold und Umgebung”. Mit einem Festumzug durch die Stadt und anschließenden Hundesportvorführungen auf dem Sportplatz an der Calwer Straße (heute Eugen Breitling Stadion) wird die Wiedergründung am 2. Oktober 1949  feierlich begangen.

Die Bestätigung der Wiedergründung (2. Oktober 1949) und die Aufnahme in den Landesverband Südwürttemberg-Hohenzollern erfolgt beim Verbandstag am 20. November 1949 in Reutlingen.

1950-1952

In der ersten Hauptversammlung am 15. Januar 1950 beschließen die Hundefreunde künftig den Vereinsamen „Verein der Hundefreunde e.V. 1912 Nagold und Umgebung” zu führen.

Mit insgesamt 14 Mitgliedern wird der Verein am 6. Juni 1950 Mitglied im Württembergisch-Badischen Dressurverband (WBDV).

Die erste Nachkriegs-Schutzhundeprüfung auf der Teufelshirnschale führt der Verbandsvorsitzende Jakob Geseller aus Stuttgart-Bad Canstadt am 2. September 1950 durch.

1952 – 1989

Heiligkreuz: Nach Rücktritt der bisherigen Vorstandschaft bildet sich 1952 der „Verein der Hundefreunde Nagold und der SV-Ortsgruppe Nagold“.

Aus dem Erlös der 1. Schwarzwald- Sonderschau  kann 1952 ein Grundstück auf dem „Heiligkreuz  gekauft werden. Im gleichen Jahr wird der Verein erstmals ins Vereinsregister mit eigener Satzung eintragen.

Die nachfolgen Jahre sind durch ein Feuerwerk an hundesportlichen Großveranstaltungen im Nagolder Park „Kleb“ gekennzeichnet.  Der  1954 im Kleb ausgetragene  Länderkampf des Vereins für Deutsche Schäferhunde (SV) e.V.  gegen Frankreich sei hier besonders erwähnt.

Berghof: In herrlicher Lage entsteht 1959 das neue Vereinsheim „Berghof“. Rund 1000 Gäste aus Nagold und Umgebung wohnen der Eröffnung bei.

Rund 3000 begeisterte Zuschauer verfolgen 1962 das erste Windhunderennen im Kleb. Diese beliebte Veranstaltung findet   1970 zum 6. und letzten Mal im Kleb statt.

Die erste Vereinsmeiserschaft im Schutzhundesport findet 1966 statt.

Großen Anklang findet 1971 der 1. Nagolder Schloßbergpokal, der 2001 als 20. und bisher letzer durchgeführt wird.  Als 1. Schloßberg-Wanderpokal wird er 2003 in Walddorf   fortgesetzt.

Der treueste Freund des Menschen ist der Hund, so lautet 1973 die Überschrift im „Gesellschafter“  aus Anlass des  60 jährigen Jubiläum mit 2. Nagolder Schloßbergpokal.

Bescheiden wird 1978 das 25 jährige Jubiläum der SV-Ortsgruppe Nagold,  im Rahmen der Jahresabschlussfeier im Vereinsheim „Berghof“ gefeiert. Die zahlreichen Städtevergleichskämpfe  führen in den von allen Seiten als Erfolg für Beständigkeit und hohes Leistungsniveau bewertete Freundschaftswanderpokal zwischen den SV-Ortsgruppen aus Stammheim, Böblingen, Sindelfingen und Nagold.

Dieser fand 1979 zum ersten Mal in Sindelfingen und 1996 zum letzten Mal in Nagold statt. Der Aufwand hat sich gelohnt – die 1200 Jahrfeier der Stadt Nagold 1986 mit  dem 2. Nagolder Stadtfest war für den Verein ein Riesenerfolg.

Verbunden mit der Ausrichtung des 15. Nagolder Schloßbergpokal wird 1988 das 75-jährige Jubiläum durchgeführt. Nagolds  OB Schultis lobt Idealismus und Gemeinsinn. Zugleich wird die neue Vereinsfahne eingeweiht.

1989-1996

Unabhängigkeit: Nach zweijähriger Vorbereitungszeit, in welcher in zahlreichen Monatsversammlungen alle Mitglieder mit einbezogen sind, wird in der Hauptversammlung 1989  einstimmig der Name des Vereins in “Verein der Hundefreunde Nagold e.V.” mit eigener Satzung beschlossen.Im Vereinsregister und  im Grundbuch wird der Name entsprechend der Satzung geändert.

Ab 1992 öffnet sich der Verein unter dem Leitsatz „Weg vom reinen Schutzhundesportverein hin zum Begegnungsort für jeden Hund und Hundehalter“.

Mit dem Beginn der Jugend-und Breitensportarbeit, der Basisausbildung mit ihrem  ersten „Team-Test“ 1992 und dem Turnierhundesport mit  dem 1. Adventscup im Hindernislauf 1994  läutet der Verein eine neue Ära ein.

Er schafft sich mit neuen Teilbereichen im Hundesport eine optimale Struktur, die ihn  befähigt,  mit der Zeitentwicklung Schritt zu halten.

Die Mitgliederzahl verdoppelte sich. 1992 feiern die SV-Mitglieder mit einem Jubiläumspokalkampf das 40-jährige Bestehen ihrer Ortsgruppe.

Eine echte Jugendgruppe mit eigener Leitung, Satzung und Kasse entsteht 1995.

Beim  „Tag der offenen Tür“ 1995 auf dem „Heiligkreuz“ präsentiert sich der „neue“ Verein stolz einer breiten Öffentlichkeit.

1996 -2003

Volle Souveränität:  So bleibt  es nicht aus, das sich 1996 die Mitglieder des Vereins der Hundefreunde Nagold e.V. in der letzten gemeinsamen Hauptversammlung  mit der SV-OG Nagold  für die volle Souveränität ihres Vereins aussprechen und mit überwältigender Mehrheit für eine eigne Vorstandschaft votieren.

Zudem wird das Miteinander mit Behinderten in der Satzung festgeschrieben und  der  behindertengerechte Umbau der Vereinsanlage mit Vereinsheim „Berghof“ beschlossen. Der Spatenstich hierzu erfolgte am 27.August 1997.

Die Flurstücke des  Vereinsgeländes auf dem „Heiligkreuz“ werden 1999 zu einem Grundstück mit Namen Berghof 1 zusammengefasst.

Orkan „Lothar“ wütete am 26.12.1999 mit nie zuvor gemessenen Windgeschwindigkeiten über Deutschland. Auf dem Vereinsgelände hinterlässt er einen bleibenden Eindruck, was zu zahlreichen  Arbeitseinsätzen und Übungseinschränkungen führen.

Die mit großem Erfolg arbeitende Welpengruppe erhält einen eigenen Übungsplatz.

Unter www.hundefreunde-nagold.de stellt der Verein 2001 erstmals seine Internetseite vor.

Mit einer Zucht-und Nachwuchsschau begehen 2002 die SV-Mitglieder ihr 50 jähriges Jubiläum.

2003 bis 2009

Tolle Hundstage: In der Mitgliederversammlung 2003 in der „Traube“ in Altensteig wird eine neue Vereinssatzung mit einem einheitlichen Übungsbetrieb verabschiedet.

Die SV-OG Nagold  verlässt nach über 50 jähriger Zusammenarbeit freiwillig das gemeinsame Zuhause auf dem „Heiligkreuz“. Zudem wird die aus England kommende Hundesportart „Agility“ eingeführt.

Unter dem Motto „Tolle Hundstage auf dem Berghof“  wird  am 21. und 22. Juni 2003 der 90. Geburtstag  gefeiert. Mit dem Vereinsgelände und dem Vereinsheim in herrlicher Lage, so der Nagolder OB Prof. Dr. Rainer Prewo, hat der Verein einen Beitrag zur Attraktivierung des Naherholungsangebotes in der Stadt Nagold beigetragen.

Der seit  dem 19. Dezember 2003 bestehende Anschluss  des Vereinsheims „Berghof“ an das   Zu-und Abwassernetz der Stadt Nagold bedeutet eine große finanzielle Herausforderung.

Nachdem der Verein seit  2001 mehr Frauen zählt als Männer, sind ab 2009 erstmals in der Vereinsgeschichte nun auch die wichtigsten Führungspostionen fest in Frauenhand.